Preisträger

Unterricht innovativ
2025
3. Preis

„Science Fair – Forschen für die Zukunft“

Holger Seefried
Projektteam:

Christiane Fenner, Ilona Landgraf, Hans Paulini und Fachlehrkräfte der beteiligten Klassen

H. Seefried: Biologie, Chemie; Mitarbeiter Schulleitung
C. Fenner: Biologie, Chemie; Fachschaftsleitung Chemie
I. Landgraf: Biologie, Chemie; Fachschaftsleitung Biologie
H. Paulini: Physik, Mathematik; Fachschaftsleitung Physik
Fächer der weiteren Kolleginnen und Kollegen: i.d.R. M/Ph oder B/C Kombination

Foto-Credit: Deutscher Lehrkräftepreis

Projektbeschreibung

Das Projekt „Science Fair – Forschen für die Zukunft“ am Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg richtet sich an Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe und wird seit fast 15 Jahren erfolgreich durchgeführt. Ziel ist es, naturwissenschaftliches Forschen praxisnah, eigenverantwortlich und motivierend zu gestalten. Koordiniert wird das Projekt von Holger Seefried in Zusammenarbeit mit Fachlehrkräften aus Biologie, Chemie, Physik und Informatik sowie externen E-Mentorinnen und E-Mentoren, meist ehemalige Schülerinnen und Schüler, die in MINT-Studiengängen aktiv sind. 

Das Projekt gliedert sich in mehrere Etappen (Januar bis Mai eines Jahres): 

1. Auftaktstunde: Schülerinnen und Schüler reflektieren ihre Einstellung zu Naturwissenschaften und entwickeln erste Forscherfragen. 

2. Zweite Stunde: Teambuilding und Wahl des Interessens- oder Themengebiets

3. Dritte und vierte Stunde: Förderung des Problembewusstseins und Vorbereitung auf eigene Projektarbeit durch exemplarische Miniforschung im Rahmen des „Egg Race“: Teams lernen sorgfältige Planung, Variablenkontrolle, exakte Dokumentation, Reflexion und systematische Auswertung.

Schüler testet Magnetschwebebahnmodell; Foto-Credit: Deutschhaus-Gymnasium, M. Pietschmann
Belastungstest einer Brückenkonstruktion; Foto-Credit: Deutschhaus-Gymnasium, M. Pietschmann

4. Mehrstündige Projektphase: Eigenständige Arbeit an Miniforschungsprojekten: E-Mentoren unterstützen digital über Taskcards oder Mebis-Plattform.

5. Projektabschluss: öffentliche „Science Fair“ 

Abgeschlossen wird das Projekt mit der öffentlichen „Science Fair“. Die Teams präsentieren ihre Ergebnisse vor einer Jury aus Eltern, Lehrkräften und externen Partnern aus Universitäten, Fachhochschulen, Partnerfirmen und Forschungsinstituten. Die besten Projekte werden ausgezeichnet, die Plakate verbleiben mehrere Wochen im Schulforum als Anschauungsmaterial für andere Jahrgangsstufen. 

Während des Projektablaufs erstellen die Schülerinnen-/Schülerteams drei Zwischenberichte an die betreuenden Fachlehrkräfte: 

  1. Erster Bericht: Themenfestlegung, Skizzen für die experimentelle Vorgehensweise
  2. Zweiter Bericht: detaillierte Planungen, Versuchsbeschreibungen und ggf. Anpassungen
  3. Dritter Bericht: Ergebnisse mit Auswertung, ggf. Ableitung neuer Hypothesen

Die lange Projektdauer, flexible Arbeitszeiten und digitale Betreuung ermöglichen praxisnahes Forschen und vermitteln realistische Erfahrungen im Projektmanagement über mehrere Monate hinweg.

Insgesamt zeigt die „Science Fair“, dass ein schülerzentriertes, intrinsisch motiviertes und interdisziplinär angelegtes Projekt in der Mittelstufe sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen langfristig stärkt. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens praxisnah kennen, entwickeln Problemlösungskompetenz und erleben Eigenverantwortung und Teamarbeit in einem realistischen, projektorientierten Rahmen. Gleichzeitig eröffnet das Projekt neue Perspektiven auf MINT-Berufe, fördert Talente jenseits der schulischen Noten und vermittelt Begeisterung für naturwissenschaftliches Forschen.

Das Besondere

Das „Science Fair“-Projekt zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus, die es von herkömmlichem Unterricht deutlich abheben. Zunächst liegt der Fokus auf intrinsischer Motivation: Die Schülerinnen und Schüler wählen ihre Themen selbst und arbeiten in selbst gewählten Teams, oft klassenübergreifend. Dadurch entsteht ein hoher Identifikationsgrad mit den Projekten. Die Bandbreite der Themen reicht von sportwissenschaftlichen Untersuchungen über Konstruktion, Statik, Programmierung bis hin zu biologischen Fragestellungen, Musik oder Tierverhalten. 

Die Öffnung des Projekts über Fächergrenzen hinweg erlaubt es den Teams, Kompetenzen aus verschiedenen Disziplinen zu verbinden. Seit den letzten Jahren spielt auch der Einsatz von KI eine zunehmend wichtige Rolle, sei es zur Unterstützung bei der Planung von Experimenten oder bei der Datenanalyse, wobei die Lehrkräfte und E-Mentoren den kritischen Umgang mit den Ergebnissen fördern. 

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Chancengleichheit: Analoge Plakatformate und die unkomplizierte Kostenübernahme bei Materialbeschaffungen verhindern einen Vorteil durch professionelles Layout oder finanzielle Ressourcen. Die Unterstützung durch E-Mentoren sorgt zudem dafür, dass vermeintliche Vorteile durch die Mitwirkung der Eltern reduziert und alle Teams gleichermaßen professionell betreut werden. 

Die „Science Fair“ ist zudem ein hervorragendes Instrument der Mädchenförderung und Talententdeckung. Schülerinnen, die im regulären MINT-Unterricht weniger Interesse zeigen, engagieren sich oft besonders intensiv, während unauffällige Schülerinnen und Schüler besondere Fähigkeiten und Talente entdecken, die sonst unbemerkt bleiben würden. Der direkte Kontakt zu E-Mentorinnen und -Mentoren eröffnet zudem Einblicke in mögliche berufliche Perspektiven, Studium und Karrierewege, was besonders in der Mittelstufe vor ersten Praktika und Berufswahlentscheidungen wertvolle Orientierung bietet. 

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Langfristigkeit des Projekts: Die langfristige Bindung ehemaliger Schülerinnen und Schüler als Mentorinnen und Mentoren sowie die kontinuierliche Unterstützung durch Sponsoren sichern die Nachhaltigkeit des Projekts. Das Projekt vermittelt somit nachhaltiges Interesse an MINT-Fächern, praxisnahes Forschen und realistische Erfahrungen im Projektmanagement über mehrere Monate hinweg. 

Erfahrungen und Ergebnisse

Die Erfahrungen und Ergebnisse des „Science Fair“-Projekts sind vielfältig und nachhaltig: Die Schülerinnen und Schüler lernen eigenverantwortliches Arbeiten, Forschen, Teamarbeit und Projektmanagement über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Dabei erfahren sie reale Abläufe wissenschaftlicher Arbeit: Hypothesenbildung, Planung, Versuchsdurchführung, Dokumentation und Auswertung. Auch fehlgeschlagene Experimente werden als Lernchance genutzt, da sie neue Fragestellungen aufwerfen. Diese Erfahrungen fördern Problemlöse-Kompetenz, Flexibilität und kritisches Denken. Die Reflexion über die Ergebnisse erfolgt sowohl innerhalb der Teams als auch in der öffentlichen Präsentation vor Jury und Publikum, wodurch die Rückmeldungen unmittelbar, wertschätzend und unabhängig von Noten sind. 

Die Präsentation vor Jury, Eltern und Gästen stärkt die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und ihre Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich und präzise zu vermitteln. Diese Erfahrung unterscheidet sich stark vom üblichen Referat im Klassenzimmer und vermittelt eine professionelle Präsentationspraxis. Das direkte, nicht benotete Feedback der Jury und des Publikums vermittelt Anerkennung und stärkt das Selbstbewusstsein.

Präsentation der Experimente vor Jury, Eltern und Gästen; Foto-Credit: Deutschhaus-Gymnasium, M. Pietschmann

Langfristige Rückmeldungen ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer belegen die nachhaltige Wirkung: Viele berichten, dass die „Science Fair“ entscheidend für ihre Studien- oder Berufswahl im MINT-Bereich war und sie sich später selbst als E-Mentorinnen und -Mentoren engagieren. 

Inhaltlich zeigen die Projekte eine breite Palette: Themen zu Nachhaltigkeit, Energie-Effizienz, Solartechnik, Recycling oder Werkstofftests werden regelmäßig bearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler erlangen dadurch nicht nur naturwissenschaftliche Fachkompetenz, sondern auch ein Bewusstsein für gesellschaftlich relevante Fragestellungen. Die digitalen Kompetenzen werden gestärkt, etwa durch Datenerhebung mit Sensoren oder die Nutzung digitaler Auswertungswerkzeuge, inklusive KI-gestützter Analyse. Die Integration von MINT- und Technik-Interessen gepaart mit realem Feedback macht die „Science Fair“ zu einem außergewöhnlich erfolgreichen Projekt, das Motivation, Praxisnähe und nachhaltige Bildung ideal verbindet.  

Weiterführende Links

Aus den Gutachten

„Bei diesem Projekt werden Schülerinnen und Schüler nachhaltig für die Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen motiviert und erlernen deren sorgfältige Bearbeitung mit Unterstützung der schuleigenen Lehrkräfte sowie externer Partner. Dadurch werden in hervorragender Art und Weise die naturwissenschaftliche Arbeitsweise und deren Techniken erlernt. […] Vor allem die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung sind hier hervorzuheben.“ 

„Bemerkenswert ist die Bandbreite der von den Schülerinnen und Schülern selbst gewählten Themen, die je nach Interesse der Teams sich einem oder mehreren naturwissenschaftlichen Fächern zuordnen lassen und einen direkten Alltagsbezug haben. Rahmenvorgaben allgemeinwissenschaftlicher Art werden in exzellenter Weise durch die handlungsorientierte Forschung der Schülerteams erfüllt.“ 

„Ein sehr gelungenes Projekt, um das Interesse der Lernenden an MINT-Themen sowie Verständnis für den naturwissenschaftlichen Erkenntnisweg nachhaltig zu fördern.“ 

Eckdaten

Schule: Deutschhaus-Gymnasium Würzburg
Bundesland: Bayern
Jahrgangsstufe: 8
Fächer: MINT