Preisträger

Unterricht innovativ
2025
Cornelsen-Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“

Natur erleben – Ein Walderlebnispfad zum Thema „Wald – Klima – Lebensräume“

Dr. Martina Kapitza
Projektteam:

Jürgen Fischbach und Lena Muley

M. Kapitza: Abgeordnete Lehrkraft im Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in der Didaktik der Chemie
J. Fischbach: Diplom Geologe / Pädagoge – Referent für ökosystembasierte Klima-Anpassung vom Naturpark Westensee - Obere Eider e.V.
L. Muley: Lehramtsstudentin für Kunst und Geographie an der Muthesius Kunsthochschule und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)

v.l.n.r. Lena Muley, Jürgen Fischbach, Dr. Martina Kapitza; Foto-Credit: Deutscher Lehrkräftepreis

Projektbeschreibung

Das Projekt „Natur erleben“ des Gymnasiums Kronwerk in Rendsburg entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Naturpark Westensee und der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Rahmen des übergeordneten Projekts der Landesregierung Schleswig-Holstein „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“. Über drei Schuljahre hinweg entwickelten Oberstufenschüler und -schülerinnen des Biologieprofils gemeinsam mit Lehramtsstudierenden der Kunsthochschule einen interaktiven Walderlebnispfad zu den Themen Wald, Klima und Lebensräume. Ziel war es, ökologische Zusammenhänge erlebbar zu machen und Natur mit künstlerischen Mitteln zu vermitteln. 

Das Projekt gliederte sich in mehrere Etappen: 

1. Initiierung und Kooperation (Herbst 2022):
Ausgangspunkt war die Anfrage des Naturparks Westensee zur Neugestaltung eines veralteten Erlebnispfads. In ersten Treffen mit dem Naturpark und der Kunsthochschule wurden Ziele, Themenfelder und Gestaltungsprinzipien festgelegt.

2. Exkursion und Ideenfindung (Winter 2022):
Eine gemeinsame Erkundung des Waldgebiets Hopfenkrug inspirierte Schülerinnen und Schüler wie Studierende zu ersten Konzeptideen. Vor Ort wurden Beobachtungen gesammelt, Themengebiete abgeleitet und mögliche Standorte ausgewählt.  

3. Forschung und Konzeptentwicklung (Frühjahr 2023):
Im Biologieunterricht erarbeiteten Kleingruppen selbstgewählte Themen und deren Fachinhalte (z. B. Baumartenvielfalt, Forstwirtschaft, Bodenprofile, Quell- und Feuchtgebiete, klimatische Bedingungen, Vogelstimmen). Parallel entstanden künstlerische und interaktive Vermittlungsformen mit Unterstützung durch Kunststudierende.

4. Entwurf und Designphase (Sommer 2023):
Erste Visualisierungen wurden erstellt, diskutiert und durch Fachleute des Naturparks fachlich geprüft. Daraus entwickelten sich die Entwürfe für 13 Stationen.

Visualisierung der Entwürfe für 13 Stationen; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0
Handwerkliche Umsetzung in den Werkstätten der Kunsthochschule; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0

5. Bau- und Werkstattphase (Herbst 2023): 
Durch die finanzielle Förderung aus dem Programm „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“ sowie dem Kreis Rendsburg-Eckernförde arbeiteten die Schüler in den Werkstätten der Kunsthochschule an der handwerklichen Umsetzung der Stationen mit nachhaltigen Materialien.

6. Präsentation und Eröffnung (Herbst 2023 & 2024): 
Öffentliche Vorstellung der Ergebnisse an der Schule vor Vertretern der Förder- und Kooperationspartner, auf dem „Festival MINTKultur*en“ der Europa-Universität Flensburg und schließlich feierliche Einweihung des Pfads im Oktober 2024.

Präsentation auf dem Festival der MINTKultur*en 2025; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0

Der entstandene Walderlebnispfad umfasst 13 Stationen, die ökologische Themen durch spielerische, interaktive Elemente vermitteln – etwa drehbare Holztafeln, Gucklöcher, Klang- und Taststationen oder QR-Codes mit Hintergrundinformationen. Der Pfad ist dauerhaft im Naturpark Westensee zugänglich und Teil des Umweltbildungsprogramms des Naturparks.

Das Besondere

Das Projekt überzeugt durch seine interdisziplinäre, partizipative und nachhaltige Struktur. Es vereint Naturwissenschaft, Kunst und Pädagogik zu einem lebendigen Lernprozess, in dem Schüler nicht nur Wissen erwerben, sondern aktiv gestalten. Statt einer vorgegebenen Unterrichtseinheit erarbeiteten die Jugendlichen Inhalte, Formen und Umsetzungen eigenständig – von der Idee bis zur handwerklichen Realisierung.

Station 6 „Vogelstimmen“; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0
Station 8 „Baumartenvielfalt“; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0

Einzigartig ist die Zusammenarbeit verschiedener Bildungs- und Kultureinrichtungen: Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte und Fachleute aus dem Naturpark arbeiteten auf Augenhöhe. Dabei entstand nicht nur ein Lernprodukt, sondern ein echter Lernraum im öffentlichen Raum. Die handwerkliche Umsetzung in den Werkstätten der Kunsthochschule ermöglichte praxisnahes Lernen, förderte Selbstwirksamkeit und stärkte das Umweltbewusstsein der Schüler. Gleichzeitig bot das Projekt Lehramtsstudierenden die Gelegenheit, Unterrichtserfahrung zu sammeln und kreative Bildungsansätze praktisch zu erproben – ein Beispiel gelungener gegenseitiger Bildungsbeziehungen. 

Das Projekt wurde durch kulturelle Förderprogramme („Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“) unterstützt und zeigt beispielhaft, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) konkret umgesetzt werden kann: durch ästhetische Erfahrung, gemeinsames Forschen und aktives Handeln.  

So entstand ein innovativer, für andere Schulen, Ökosysteme und Standorte übertragbarer Projektansatz, der Naturbildung und Kunstvermittlung miteinander verknüpft und junge Menschen befähigt, ihre Umwelt kreativ und verantwortlich mitzugestalten.

Startpunkt des Walderlebnispfades „Natur erleben“; Foto-Credit: Martina Kapitza, CC BY 4.0

Erfahrungen und Ergebnisse

„Natur erleben“ hat sich als nachhaltiges Lern- und Beteiligungsprojekt etabliert. Für die Schüler bedeutete es, über Jahre hinweg ein eigenes Werk zu schaffen, das bleibt: Ein öffentlich zugänglicher Walderlebnispfad, der von Schulklassen, Familien und Besuchern genutzt wird. Sie erlebten, dass ihre Ideen zählen, sie Verantwortung tragen und konkrete Wirkung entfalten können – ein Erlebnis, das Motivation und Selbstbewusstsein stärkte. 

Fachlich vertieften sie ihr Wissen zu ökologischen Zusammenhängen, Klimawandel und Biodiversität. Methodisch lernten sie, Informationen zu recherchieren, fachgerecht aufzubereiten und einem breiten Publikum anschaulich zu vermitteln. Zugleich entwickelten sie Kompetenzen in Teamarbeit, Kommunikation und handwerklichem Gestalten. Die Zusammenarbeit mit Studierenden und Expertinnen wie Experten förderte ein Verständnis für interdisziplinäres Arbeiten und zeigte, wie Schule mit Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft produktiv verbunden werden kann. 

Langfristig wirkt das Projekt weit über die Schulzeit hinaus: Der Erlebnispfad ist fester Bestandteil des Umweltbildungsangebots des Naturparks und dient als Lernort für andere Schulen. Seine Stationen orientieren sich an den Sustainable Development Goals (SDGs), insbesondere an SDG 15 („Leben an Land“). 

Wie prägend dieses Projekt auch für die betreuende Lehrkraft war, zeigt folgendes Resümee: „Für mich als Lehrkraft war es eine der intensivsten und wertvollsten Erfahrungen meines bisherigen Berufslebens – weil es gelungen ist, Schule, Natur und Kultur auf sinnvolle Weise miteinander zu verknüpfen und dabei bleibende Werte zu schaffen.“ 

Der vielleicht wichtigste Erfolg aber liegt im Bewusstseinswandel der Beteiligten: Natur wird nicht mehr nur beobachtet, sondern als gestaltbarer Lebensraum erlebt. So steht „Natur erleben“ für Bildung mit Kopf, Herz und Hand – ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Lernen echte Zukunftsorte schaffen kann.  

Weiterführende Links

Aus den Gutachten

„Wann haben Schülerinnen und Schüler schon die Möglichkeit, zu erfahren / zu begreifen, wie lange sich ein Prozess von der Idee bis zur Umsetzung hinzieht, wenn es im öffentlichen Raum auf Dauer installiert wird.“ 

„Die Zusammenarbeit mit Hochschulen / Studierenden, Naturparks / Rangern, Handwerkern, Förderinstitutionen ist hier einfach einmalig und bringt so viel mehr mit auf dem weiteren Lebens- und Berufsweg der Schülerinnen und Schüler, die herkömmliche Umweltprojekte in Schule nie leisten werden können. Chapeau!“ 

„In dem Projekt, das von Anfang an auf Kooperation und Interdisziplinarität ausgerichtet ist und in dem sich Schülerinnen und Schüler Achtung vor der Umwelt und damit Umweltschutz zu eigen gemacht haben, wird Umwelt erlebbar.“ 

Alle Kriterien des Sonderpreises seien „überraschend und kreativ erfüllt“. 

Eckdaten

Schule: Gymnasium Kronwerk Rendsburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
Jahrgangsstufe: Einführungsphase bis Qualifikationsphase 2
Fächer: Biologie, Geographie, Kunst